Fake Green – Achtung vor dem falschen Grün

von Chris Eggenberger

Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Gesellschaft immer wichtiger und Konsumenten werden angehalten, an umweltfreundlichen Lösungen teilzuhaben. Nicht alle «grünen» Initiativen sind aber, was sie versprechen.

Der Klimawandel und Lösungsansätze werden immer mehr zum Zentrum der Aufmerksamkeit in Medien, sowie auch in der Gesellschaft. Die «Fridays for Future»-Kampagne von Greta Thunberg hat Umweltschutz-Aktivismus massentauglich gemacht. Auch Firmen und Regierungen stehen immer mehr unter Druck.

Zur Aufbesserung ihres öffentlichen Images und dadurch Vergrösserung ihres Kundenkreises setzen immer mehr Firmen auf umweltfreundliche Kampagnen. Leider sind manche dieser «grünen Produkte» aber nicht so umweltfreundlich, wie man als einfacher Kunde vermuten könnte. Recyclebar, aber nur zum Teil. Aus nachhaltigen Stoffen, aber eben auch Chemikalien und Pestiziden. «Fake Green» bezeichnet eben diese Produkte, wo das grüne Erscheinungsbild nur die halbe Wahrheit ist.

Wie werden Kunden in die Irre geführt?

Grundsätzlich sind recycelte Produkte immer besser als solche, die aus Originalmasse hergestellt werden. Beim Recyclingprozess werden nämlich bis zu 80% weniger Emissionen ausgestossen. Trotzdem ist es als Kunde auch wichtig zu verstehen, was Begriffe wie  «biologisch abbaubar», «kompostierbar» oder «recyclebar» wirklich bedeuten und diese nicht als Freipass für den Kauf eines Produkts zu interpretieren.

  • Denn ein recyceltes Produkt muss nicht aus 100% recycelten Materialien bestehen. Oft werden 50% oder weniger wiederverwertetes Material schon als solch recycelte Produkte verkauft.
  • Biologisch abbaubar bedeutet, dass Pilze und Bakterien das Produkt vollständig abbauen können. Das Produkt ist also eigentlich ein natürlicher Dünger. Dieser Prozess hängt aber stark von der Zeit ab, bei Materialien wie Kork, Baumwolle oder auch dem sogenannten Bio-Plastik dauert dieser Jahre bis sogar Jahrhunderte.
  • Unter kompostierbar versteht man Produkte, die innerhalb von 6 Monaten in einer industriellen Kompostieranlagen zu 90% biologische abgebaut werden können. So gibt es die Norm EN 13432 vor.
  • Auch recyclebar ist ein vager Ausdruck, denn oft sind nur geringe Anteile des Produkts tatsächlich wiederverwertbar, was den Nachhaltigkeits-Aspekt schwinden lässt. Einer Studie der deutschen Umwelthilfe zufolge sind zum Beispiel die als wiederverwertbar bekannten Kaffeebecher aus Pappe zu 95% nicht oder nur durch aufwändige Methoden recyclebar und landet zumeist nicht im Wertstoffkreislauf.

So schön es sich manchmal also liest, auf der Suche nach umweltfreundlichen Produkten gilt besondere Vorsicht.

Wie kann ich «Fake-Green»-Produkte als Konsument unterscheiden?

Kein Produkt wird jemals zu 100% «grün» sein. Leider gibt es aber diverse Beispiele für Produkte, die auf den ersten Blick umweltfreundlicher scheinen, als sie tatsächlich sind.
Bei stichprobenartigen Nachforschungen auf dem Schweizer Markt findet man in fast jedem Unternehmen Produkte, die den grünen Standard mehr repräsentieren, als sie tatsächlich leben.

Ein guter Anhaltspunkt zur Erkennung nachhaltiger Produkte sind immer Umweltlabels von vertrauenswürdigen Organisationen, wie zum Beispiel das Gütesiegel von WWF Schweiz, das Bio-Label der EU oder der «FSC»-Baum bei Holzprodukten. Diese Auszeichnungen bezeugen eine umweltfreundlichere Herstellung des Produkts, als dies bei Konkurrenten auf dem Markt der Fall ist.

Wessen Aufgabe ist es, gegen «Fake Green» vorzugehen?

In der Bekämpfung solcher Methoden sind sowohl Konsumenten wie auch Gesetzgebung gefordert. Von der Seite des Staats und der Umweltverbände müssen klare Vorgaben an Hersteller gemacht werden, auf die sich der Kunde verlassen kann. Dieser wiederum muss durch ein nachhaltiges Konsumverhalten den Markt insofern verändern, dass es Firmen erstrebenswert oder gar notwendig ist, nachhaltig zu produzieren.

Wichtig ist dabei, dass der Schutz der Umwelt, von allen Parteien, ernst genommen und als wichtiges Ziel betrachtet wird. Wenn wir unseren Planeten schützen wollen, muss der rücksichtslose Kapitalismus Eingeständnisse machen und seine Folgen für die Umwelt zu verstehen lernen.